Unpersönliche Evokation
Das folgende Ritual beinhaltet die Evokation namenloser, unintelligenter Energie einer magischen Sphäre oder Welt. Es wurde ausgehend von durch die magischen Orden der Fraternitas Saturni, der Communitas Saturni und des Golden Dawn entwickelten Ritualstrukturen neu entworfen und erfolgreich durchgeführt. Sein Hauptzweck ist es, weniger erfahrenen Okkultisten, die sich eine "echte" Evokation (die eines eigenständig handelnden Wesens) noch nicht zutrauen, ein stilistisch und bezogen auf die Wirkungsweise ähnliches, aber weitaus weniger anspruchsvolles Ritual anzubieten. Dieser "Zielgruppe" entsprechend wird in diesem Ritual sehr viel Wert auf Schutzmaßnahmen, Dramatik und Erholungspausen gelegt sowie Gruppenarbeit begünstigt. Das Ritual ist deshalb deutlich aufwendiger, als das für erfahrenere Ritualisten notwendig wäre.
Etwas vorangegangene Erfahrung mit weniger umfangreichen Ritualen ist trotzdem sehr empfehlenswert. Ohne Grundtechniken der Konzentration und Visualisierung sowie der Bannung wird es schwer möglich und eventuell sogar gefährlich werden, dieses Ritual erfolgreich durchzuführen. Außerdem werden in der folgenden Ritualanleitung einige Grundbegriffe verwendet, deren Erklärung hier zu weit führen würde.
Vorbereitung
In einem leeren, abgedunkelten Raum von ausreichender Größe wird die Struktur auf dem Boden markiert, die auf der Abbildung in blau gezeichnet ist. Der innerste Kreis sollte mindestens zweieinhalb Meter Durchmesser haben, bei mehreren Ritualteilnehmern entsprechend mehr, so daß alle bequem Platz finden. Der Abstand zwischen den Kreisen kann jeweils etwa zehn bis dreißig Zentimeter betragen und muß an allen Seiten gleich sein.
Die drei Kreise erhalten während des Rituals verschiedene, sich ergänzende Funktionen. Der innere wird ein klassischer Schutzkreis, der das Innen vom Außen trennt und Energieflüsse zwischen diesen Bereichen verhindert. Der Äußere bekommt anziehende Funktion - er zieht die gewünschten Energien an, sich um ihn zu sammeln. Der mittlere Kreis balanciert die Wirkungen der anderen beiden aus und verhindert, daß sich sich gegenseitig behindern, also der innere Kreis die Energien vom äußeren Kreis weg abstößt oder der Äußere die Blockade des Inneren untergräbt. An einer beliebigen Stelle (am besten jedoch in der Nähe der Tür) wird ein Pentagramm auf die drei Kreise gezeichnet, dessen Spitze nach außen zeigt. Gegenüber des Pentagramms wird außerhalb der Kreise ein Spiegel oder ein Symbol der betreffenden Sphäre aufgestellt oder an eine Wand aufgehängt und mit einem Tuch bedeckt. In die Mitte der Kreise gehört ein kleiner Abstelltisch, möglichst mit einem Tuch abgedeckt, der als Altar dient. Je nach Geschmack kann der Raum und besonders der Altar mit Symbolen und Gegenständen, die zur gewünschten Sphäre passen, dekoriert werden.
Das Pentagramm definiert und schützt einen Durchgang in der Kreisstruktur. Sphärensymbol oder Spiegel dienen als Tor für die zu rufenden Energien. Der Tisch fungiert als Ablagefläche für die verschiedenen, während des Rituals benötigten Gegenstände.
Zwischen den äußeren und den mittleren Kreis werden Symbole auf dem Boden angeordnet, die für die Energien der Sphäre stehen, jedoch nicht für Wesen der Sphäre. Hierbei könnte es sich beispielsweise um Planetensymbole, kabbalistisch ermittelte Zahlenwerte oder schlicht den Namen der Sphäre handeln. Zwischen den mittleren und den inneren Kreis werden Symbole, Zahlenwerte oder Namen von Wesen plaziert, die den Kräften der Sphäre übergeordnet sind, beispielsweise diejenigen der entsprechenden Erzengel oder Götter der Sphäre. Alle Symbole weisen mit dem unteren Ende nach außen und mit dem oberen nach innen. Falls zu der erprobten Methode gegriffen wird, die Symbole auf Papierkarten zu zeichnen und auszulegen, so sind sie nicht schon in der Vorbereitungsphase zu plazieren, sondern als Stapel auf dem Altar bereitzulegen.
Da hier keine bestimmten Symbole explizit festgelegt sind, mußt Du selbst nach passenden recherchieren. Wenn Dir gar nichts einfällt, entwirf Sigillen. :-) Die äußere Gruppe von Symbolen unterstützt die anziehende Wirkung der äußeren Kreises, indem sie eine Atmosphäre aufbauen hilft, die die gewünschten Energien unterstützt. Die inneren Symbole bändigen den Energiestrom, den Du rufst, und zeigen, daß die Autorität vom Inneren dieser geometrischen Struktur ausgeht.
 Eine der zu evozierenden Sphäre entsprechenden Anzahl Kerzen mal drei (einmal pro Kreis) wird bereitgelegt. Diese Kerzen werden im Laufe des Rituals auf den Kreisen regelmäßig angeordnet werden. Es ist sehr sinnvoll, die Positionen der Kerzen schon in der Vorbereitungsphase auf dem Boden zu markieren. Falls möglich, sollten die inneren Kerzen weiß, die mittleren schwarz und die äußeren in einer zur Sphäre passenden Farbe gehalten sein. Ansonsten können die Kerzen auch allesamt weiß oder schwarz sein. Links und rechts vom Symbol oder Spiegel werden zwei Kerzen in der Farbe derer für den äußeren Kreis - schon jetzt - aufgestellt. Eine weiße, etwas größere Kerze wird getrennt von den anderen bereitgehalten. Außerdem wird die doppelte Zahl der Sphäre plus zwei an Räucherstäbchen mit einem zur Sphäre passenden Duft auf dem Altar bereitgelegt. (Zahlen, Farben und Gerüche sind den gängigen Tabellenwerken zu entnehmen oder selbst zu wählen.)
Die Anordnung in der obersten Abbildung - die weißen Punkte stehen für Kerzen - wäre beispielsweise für ein Jupiterritual (Zahl Vier) passend. In diesem Fall würdest Du vier weiße, vier schwarze, sechs blaue und eine größere weiße Kerze sowie zehn (beispielsweise) Lavendelräucherstäbchen verwenden. Die Zahl der Sphäre wird später noch mehrmals verwendet, es ist deshalb wichtig eine Zahl zu finden, die sich plausibel der Sphäre zuordnen läßt. Größere Zahlen als Zwölf sind aus Gründen der Praktikabilität nach Möglichkeit zu vermeiden.
Des Weiteren liegt ein Kerzenlöscher auf dem Altar bereit. Er kann gegebenenfalls durch einen einfachen Löffel aus Metall ersetzt werden. Ein großes Gefäß mit einem Löschmittel (Sand oder Wasser) muß unbedingt griffbereit sein, beispielsweise unter dem Altar. Schreibzeug, eine Trommel (oder ein anderes Rhythmusinstrument wie eine Rassel), ein feuerfestes Gefäß - zum Beispiel eine Räucherschale oder ein Aschenbecher - und eine nicht tickende Uhr kommen hinzu. Magische Waffen wie der Stab oder der Dolch können nach Belieben zusätzlich eingebracht werden. Sie haben jedoch in diesem Ritual keine feste Funktion und dienen nur als Insignien magischer Macht.
Gerade bei wichtigen Anrufungen wie den folgenden Weihe- und Evokationsformeln scheint es vielen Magiern angemessen, ein magisches Instrument in der Hand zu führen. Die Verwendung des Kerzenlöschers ist Geschmackssache - er gibt dem Löschen von Kerzen einfach einen zeremonielleren Anstrich.
Durchführung
Einstimmung
Die Ausführenden erledigen möglichst gemeinsam die eben genannten Vorbereitungen. (Es wird im Folgenden immer von einer Gruppe ausgegangen, das Ritual ist jedoch problemlos von einem Einzelnen durchführbar.) Wie erklärt werden wird, werden bestimmte Ritualschritte von Einzelpersonen stellvertretend für die Gruppe durchgeführt. Deshalb sollte vorher klar festgelegt werden, wer welche Einzelaufgabe übernimmt.
Wenn alles geklärt ist, wird die große weiße Kerze aus dem Ritualraum geholt und die Ritualkleidung außerhalb dieses Raumes angelegt. Die weiße Kerze wird entzündet und die Magier betreten mit ihr still den Ritualraum. Die Kreise auf dem Boden können vorerst ignoriert werden - beim Licht einer einzigen Kerze sind sie sowieso kaum zu sehen. Am Altar werden mit der weißen Kerze diejenigen Kerzen entzündet, die für den äußeren Kreis bestimmt sind, sowie genausoviele Räucherstäbchen. Alle brennenden Kerzen werden auf den Altar gestellt. Die große weiße Kerze wird gelöscht und alle setzen sich auf den Boden. Ein Teilnehmer spricht eine Anrufung an die Sphäre oder einen poetischen, die Sphäre beschreibenden Text.
 Dieser Text kann auch vorgelesen werden, eine besondere Konzentration oder Trance ist nicht notwendig. Der Schwerpunkt liegt hier nicht auf einer magischen Wirkung, sondern auf der psychologischen, vorbereitenden Wirkung auf die anderen Teilnehmer.
Jetzt gehen alle Anwesenden auf selbstständige Trancereisen in die Sphäre, um die es in dem Ritual geht. Ein möglichst tranceerfahrener Teilnehmer schlägt oder rasselt einen Rhythmus und überwacht nebenbei die Mitreisenden. Das Ziel der Reise ist es, die Energie der Sphäre gut kennenzulernen und eventuell ein Symbol für den Wunsch zu erhalten, den jeder Einzelne formulieren will. Nach etwa dreißig Minuten - hierfür ist die Uhr da - wird das Trommeln gestoppt, was das Rückholsignal darstellt.
Für den Trommler kann es relativ schwierig werden, gleichzeitig zu trommeln, die ungestörte Reise der Anderen zu überwachen und selbst zu reisen. Für ihn ist es deshalb möglicherweise sinnvoll, seine Reise schon vor dem Ritual selbstständig durchzuführen und sich während der rituellen Reise nur seinen anderen beiden Aufgaben zu widmen. Falls einige der Teilnehmer keinerlei Erfahrung mit Trancereisen haben, empfiehlt es sich für sie, den Raum während dieser Zeit zu verlassen und stattdessen über die Sphäre zu meditieren, um nach dreißig Minuten wiederzukommen.
Das Schreibzeug vom Altar wird verteilt und jeder zeichnet im Geheimen ein Symbol für den Wunsch auf, den die Energien, die die Gruppe rufen wird, ihm erfüllen sollen. Den Zettel, der im Folgenden als Pentakel bezeichnet wird, faltet er zusammen und steckt ihn ein. Daraufhin wird das Schreibzeug wieder weggepackt. Jetzt wird die große weiße Kerze wieder entzündet und auf den Altar gestellt, die anderen Kerzen werden gelöscht. Nun ist die erste Pause erreicht und die Magier können den Raum eine Zeitlang verlassen. Schreibzeug, Trommel und Uhr können sie gleich mit nach draußen nehmen, denn sie werden nicht mehr gebraucht.
Das Symbol braucht nicht unbedingt ein Sigill zu sein, das heißt seine Wirkung braucht nicht vergessen zu werden. Die Pause ist nicht zwingend notwendig - das Ritual kann auch ohne Pausen erfolgreich durchgeführt werden. Da der Ritus einige Stunden dauern kann, sind solche Erholungspausen zur Schonung der körperlichen und geistigen Kondition aber in der Mehrzahl der Fälle nützlich und sinnvoll. Von schlichten Bedürfnissen wie einem Toilettenbesuch ganz zu schweigen. :-)
Weihe
Wenn alle Teilnehmer bereit sind, betreten sie erneut schweigend den Ritualraum und besinnen sich wieder auf den Ritus. Jemand enthüllt den Spiegel bzw. das Symbol der Sphäre. Alle setzen sich im Kreis um den Altar und beginnen eine von einem der Teilnehmer geführte Meditation. Diese hat die Geschütztheit, Geborgenheit und Unverwundbarkeit der Ritualteilnehmer zum Inhalt.
Diese Meditation ist für ihren Leiter insofern eine Herausforderung, als daß der Effekt so stark wie möglich sein soll. Es ist hier sehr empfehlenswert, mit Autogenem Training zu arbeiten. Der erste Teil des "Auges im Tetraktys" ist als Ersatz ausreichend.
Jemand entzündet mittels der weißen Kerze die Kerzen links und rechts dessen, was das Tor werden soll, und fügt auf jeder Seite ein brennendes Räucherstäbchen hinzu. Die große weiße Kerze wird gelöscht und auf den Altar gestellt. Die Teilnehmer stehen auf, fassen sich im Kreis an den Händen und schließen die Augen. Sie rufen sich die Sphärenenergie, die sie auf der Trancereise bzw. Meditation kennengelernt haben, wieder ins Gedächtnis. Sie fühlen sie erst in sich, dann in den anderen im Kreis. Schließlich wird der Kreis wieder geöffnet und nacheinander führen alle vor dem Symbol/Spiegel, das oder der jetzt das Tor in die betreffende Sphäre wird, die Geste des Öffnens des Schleiers aus. Alle Teilnehmer sehen zum Spiegel, spüren und visualisieren diejenige Energie, die sie gerade in sich und den anderen gefühlt haben, wie sie aus dem Tor strahlt.
Zu diesem Zeitpunkt ist zwar eine magische Verbindung hergestellt, es ergießt sich aber noch kein besonders starker Energiestrom in den Raum.
Reihum tritt nun jeder Magier vor das Tor und spricht eine selbst gewählte Weiheformel, mit der er die Kräfte der Sphäre hinter dem Tor bittet, sein Pentakel und eventuell mitgebrachte magische Waffen für die folgende magische Arbeit mit ihrem Segen und ihrer Weihe zu versehen. Dabei hält er diese Gegenstände auf ausgetreckten Händen vor sich zum Tor hin. Je nach Geschmack könnte sich das beispielsweise so anhören: "Kräfte von (Sphäre), seht diese Dinge und nehmt sie für euch an als Werkzeuge der Magie zum Ruhm von (Sphäre)." Oder auch so: "Ich weihe diese Gegenstände (Sphäre). Möge die ihnen gegebene Macht helfen, die Kraft von (Sphäre) zu manifestieren."
Die Weiheformel ist von jedem Teilnehmer individuell so zu wählen, daß sie ehrlich und aus tiefstem Herzen sein Anliegen ausdrückt, ohne daß er sich dabei lächerlich vorkommt. Sie vorbereitend zu formulieren erfordert deshalb ein gründliches Durchdenken der Weihe und der Rolle des Weihenden darin. Auf jeden Fall muß sie sinngemäß beinhalten, daß die Gegenstände mit der Kraft der Sphäre verbunden werden und zum einen von ihr belebt werden, zum anderen aber auch die Kraft greifbar und steuerbar machen.
Die große weiße Kerze wird an den Torkerzen neu entzündet und wieder auf den Altar gestellt. Auch alle magischen Werkzeuge kehren auf den Altar zurück und nur die Pentakel verbleiben in den Taschen der Teilnehmer. Die Kerzen am Tor brennen weiter. Damit ist die zweite Pause erreicht.
Hauptteil
In der Pause werden die Kerzen an ihren Positionen auf den drei Kreisen aufgestellt. Sollte in der Vorbereitung die Kreissymbole auf Karten gezeichnet worden sein, werden sie jetzt ausgelegt. Falls die Luft noch problemlos atembar ist, werden die restlichen Räucherstäbchen angezündet. Wenn alle wieder bereit sind, wird der Raum erneut betreten, die Teilnehmer bleiben jedoch außerhalb des Kreises. Sie sammeln sich und verinnerlichen erneut das Bewußtsein des Geschütztseins aus der Meditation.
Jetzt ist, obwohl die Kerzen auf den Kreisen noch nicht entzündet sind, die Kreisstruktur deutlich sichtbar und jetzt wird sie auch für das Ritual relevant.
Nacheinander betreten alle Teilnehmer über das Pentagramm das Innere des Kreises, indem sie die Geste des Eintretenden ausführen. Der Kreis darf während des Rituals unter keinen Umständen verlassen werden! Einer der Magier nimmt die große weiße Kerze. Nun sprechen jedes mal alle im Chor: "Wir entzünden das Licht des Schutzes.", bevor derjenige mit der Kerze mit den Worten "Es werde Licht!" eine der Kerzen des inneren Kreises anzündet. Im Uhrzeigersinn beginnend am Tor werden so alle inneren Kerzen entzündet. Danach wird ebenso mit dem mittleren und dem äußeren Kreis verfahren, mit der Ausnahme, daß die Formel jetzt "Wir entzünden das Licht der Balance." beziehungsweise "Wir entzünden das Licht des (Sphäre)." lautet. Dann wird die große weiße Kerze gelöscht.
Der mystische Hintergrund dieser Handlung, der allen Teilnehmern, insbesondere dem Anzündenden, bewußt sein sollte, ist das Verständnis des Lichtprinzips als einer positiven, erschaffenden Energie, die alle Ebenen des Universums transzendiert und damit würdig ist, das Zentrum der Kraft - das Innere des Kreises - zu umgeben, zu formen und zu schützen.
Einer der anwesenden Magier spricht nun die folgende Formel: "Es wurde Licht, es ist erleuchtet. Wir sind erleuchtet. Wir sind in der Helle. Um uns ist Finsternis. Das ist der Platz der Magier. Das ist die Rolle der Magier. Alle Macht ist uns gegeben." Er wendet sich zum Tor und sagt lauter: "Die Macht, die wir rufen, ist die des (Sphäre)!"
Diese Formel ist für das Ritual sehr wichtig und muß laut, klar und selbstbewußt ausgesprochen werden!
Wer dies gesagt hat, führt als erster die folgende Evokation aus. Die zu sprechende Formel besteht aus zwei Teilen; der erste ist eine wie die Weiheformel individuell wählbare Aussage. Sie könnte im Falle eines Rufens von Venuskräften beispielsweise lauten: "Bebend erwarte ich euch, ihr Kräfte die verbindet, ihr Kräfte die vereint. So, wie alle Wesen einander durch euch anziehen, so ziehe ich euch an, denn ich liebe die Liebe wahrhaftig und will der treue Kanal ihrer Kraft sein." Oder, falls es etwas vergeistigter sein soll: "Im Namen von JHVH Tsabaoth, mit der Hilfe der Elohim, durch den Triumph von Netzach rufe ich euch, Kräfte der Venus, die ihr der siebten Emanation der Schöpfung angehört. Kommt zu mir, denn die Liebe, die alle Gegensätze des Universums verbindet, diese Liebe ist mein Gesetz." Der darauf folgende, zweite Teil der Formel ist eine für alle Evozierenden gleiche Formulierung, die zum einen so viele Namen des die Sphäre beherrschenden Göttlichen Prinzips und zum anderen so oft das Wort "Kommt!" enthält, wie es der bereits verwendeten Zahl der Sphäre entspricht. Im gerade genannten Beispiel eines Venusrituals könnte sie beispielsweise lauten: "Ich rufe mit sieben Namen der schönen und liebenden Göttin: Aphrodite, Babalon, Bastet, Freyja, Ishtar, Isis, Venus! Kräfte der Venus! Kommt! Kommt! Kommt! Kommt! Kommt! Kommt! Kommt!"
Mehr noch als die Weihe muß der erste Teil dieser Erklärung eine wohl durchdachte Aussage sein, die Deine Vorstellungen von dem stattfindenden Prozeß so präzise beschreibt, daß es Dir nicht lächerlich vorkommt, sie auszusprechen. Beachte, dass der eindeutige Ruf erst danach kommt - im ersten Teil solltest Du deshalb eine Verbindung zwischen Deiner Haltung gegenüber dem Sphärenprinzip und Deinem folgenden Ruf an seine Kräfte schaffen, indem Du beschreibst, was und wie Du rufst. Wichtig ist außerdem, dass Du nicht explizit ein bestimmtes Wesen rufst!
Die gesamte Formel wird reihum von allen Anwesenden vor dem Tor stehend gesprochen. Es werden mindestens so viele Evokationsformeln gesprochen, wie die Zahl der Sphäre lautet - wenn weniger Ritualisten anwesend sind, wiederholen einige ihre Evokation. Während einer spricht, visualisieren alle anderen so intensiv wie möglich, wie die Energie der Sphäre dem Tor entströmt und sich um den Kreis im Raum verteilt. Der Rufende sollte in diesem Moment so intensiv mit dem Rufen beschäftigt sein - sich die verschiedenen Gottheiten vorstellen und so weiter - daß dieses Visualisieren entweder selbstverständlich ist oder keine Zeit dafür bleibt.
Wenn das Rufen vorbei ist, kann kurz durchgeatmet werden. Die gewünschten Energien befinden sich außerhalb des Kreises und sind möglicherweise sogar in irgendeiner Form sichtbar oder zu erahnen. In jedem Fall holen jetzt alle Teilnehmer ihre Pentakel heraus und entzünden erneut die große weiße Kerze (an einer der Kerzen des inneren Kreises). Einer der Magier sammelt die zusammengefalteten Pentakel in die feuerfeste Schale und tropft recht viel Wachs von der großen weißen Kerze darauf. Die Pentakel werden angezündet, während sich jeder vergegenwärtigt, daß damit die Aufträge an die Sphärenkräfte in die Astralebene überbracht und erfüllt werden.
Damit werden die gerufenen Energien "programmiert", entsprechende Veränderungen herbeizuführen.
Es folgt die Abdankung. Ein Ritualteilnehmer spricht in jede Himmelsrichtung so oft, wie es der Zahl der Sphäre entspricht, eine Abdankungsformel, die beispielsweise so lautet: "Ich danke den Kräften des (Sphäre). Verlaßt diesen Ort in Frieden, um eure Arbeit zu tun." Falls verfügbar, trägt er dabei einen magischen Dolch oder ein Schwert. Derjenige, der die Kreiskerzen angezündet hat, löscht sie in umgekerher Reihenfolge wieder. Der Kreis wird rückwärts gehend über das Pentagramm verlassen und die Kreiskerzen (sowie die Karten, falls vorhanden) weggeräumt. Alle Teilnehmer führen zum Tor hin die Geste des Schließens des Schleiers aus und die Kerzen neben dem Tor werden gelöscht. Zuletzt verlöscht auch das Licht der großen weißen Kerze und es wird dunkel im Raum.
Nun können die Magier den Ritualraum verlassen und sich umziehen. Kreise, Tor und Altar werden entfernt und der Raum gelüftet. Eine abschließende Bannung, beispielsweise mit einem Bannritual und/oder einer Bannräucherung, wird durchgeführt, bevor der Raum für andere Zwecke benutzt wird.
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