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Evokation für freundliche Wesen

Dieses Ritual zur Evokation eines Geistwesens wurde basierend auf verschiedenen Quellen (vor allem Franz Bardon) entworfen und erfolgreich durchgeführt. Es eignet sich nur für Wesen, die dem Ausführenden einigermaßen freundlich gesinnt sind, da es keine Schutzmaßnahmen enthält. Anders gesagt: evozier damit nur Wesen, die Du auch in Dich selbst invozieren würdest. ;-) Eine Invokation wäre natürlich einfacher, und ohne die in traditionellen Evokationen übliche Trennung von der gerufenen Energie entfällt der wichtigste Vorteile der Evokation gegenüber der Invokation, nämlich die relativ schwache Bewußtseinsveränderung beim Ausführenden selbst. Dennoch kann das Rufen an einen Ort außerhalb des Rufenden die Mühe wert sein, vor allem weil es kontrollierter abläuft und weil so sehr intensive Energien gerufen werden können, die ein Invozierender möglicherweise schwer verkraften würde. Selbstverständlich bleibt die Evokation auch in der hier vorgestellten einfachen Form eine Magie für Fortgeschrittene! Jedem, der nicht sehr genau weiß, was er tut, wird dringend von der Durchführung abgeraten!

Vorbereitung

Grundriß des RitualplatzesAn einem ungestörten Ort wird folgende Struktur auf dem Boden markiert. Als erstes ein Kreis mit mindestens vier Metern Durchmesser. Darin ein gleichseitiges Dreieck mit etwas weniger als zwei Metern Kantenlänge, von dem eine der Spitzen wenige Zentimeter vom Kreisrand entfernt liegt und von der Kreismitte weg in die Richtung zeigt, die dem Geist entspricht (z.B. zur Position des entsprechenden Planeten). In das Dreieck wird das Siegel des Wesens so groß wie es die Dreieckskanten erlauben auf den Boden gezeichnet oder ein auf einem Blatt Papier vorbereitetes Siegel ausgelegt. In der gegenüberliegenden Hälfte des Kreises wird ein kleinerer Kreis mit einem Durchmesser von etwas weniger als zwei Metern eingezeichnet. Alle Maße sind natürlich nur Richtwerte und können proportional verändert werden.

Der große Kreis bildet den Ritualraum und wird im Laufe des Rituals der Sphäre, der der Geist entstammt, geweiht. Außerdem gibt er dem Zauber einen festen räumlichen Rahmen. Wenn das Ritual an einem Ort stattfindet, der bereits entsprechend geweiht ist, sollte dieser Kreis trotzdem gezogen werden, um die Grenzen des Ritus festzulegen. Das Dreieck ist der Platz, an dem das gerufene Wesen erscheint. Die Dreiecksform wurde aus Gründen des Tradition/Nostalgie und als Symbol für die drei Dimensionen des Raumes, die das Wesen annehmen soll, gewählt. Der kleine Kreis ist der Ort, wo sich der Ritualist während des Besuches seines Gastes aufhält. Falls das Ritual von mehreren Personen ausgeführt wird, wäre es denkbar, mehrere solcher Kreise innerhalb des großen Kreises anzuordnen.

Da das Ritual ohne jeden Zwang und gewaltsame Beschwörung abläuft, wird das gerufene Wesen nur erscheinen, wenn es selbst das will. Es ist deshalb sinnvoll, vor dem Ritual sein Einverständnis einzuholen, beispielsweise durch eine Trancereise oder in einem Gespräch über einen magischen Spiegel. Auch eventuelle Opferungen sollten vor dem Ritual gebracht werden.

RäucherungIn das Dreieck wird ein großes Räuchergefäß mit der größten zumutbaren Menge passender Räucherung (so viel wie möglich, ohne daß Erstickungsgefahr besteht oder die Feuerwehr kommt... beachte die Größe des Raumes) gestellt, aber noch nicht entzündet. Falls ein Talisman oder ein Amulett geladen werden soll, gehört dieser Gegenstand (physisch fertiggestellt) ebenfalls in das Dreieck. Eventuelle weitere Gegenstände, die eine Affinität zum zu rufenden Geist besitzen und so den Ruf verstärken können, kommen dazu. Das Vorhandensein eines magischen Dolches oder Schwertes beim Rufenden wird unbedingt empfohlen, nur für den Fall daß irgendetwas schiefläuft. Weitere Ausstattung (Robe, Stab, Schamanenkostüm,...) kann hinzukommen, wie es dem Ritualisten richtig erscheint.

Zusätzlich wird ein Gegenstand benötigt, der als Tor in die Sphäre, aus der das Wesen stammt, dient. Das kann ein Spiegel, ein gezeichnetes Symbol der Sphäre, oder beispielsweise auch ein Bild sein. Die Größe von mindestens einem DIN A3 Blatt ist empfehlenswert. Die Position dieses Tores ist nicht exakt festgelegt. Es sollte aber zumindest in der Nähe des äußeren Kreises (zum Beispiel an eine Wand geheftet), besser darinnen sein. Aus Gründen der Symmetrie wäre es wünschenswert, enn das Tor sich auf der Achse befände, die durch die Mittelpunkte des Dreiecks und des inneren Kreises läuft. Falls es sich um einen Spiegel handelt, sollte die Spiegelfläche sich nicht vor dem inneren Kreis befinden und zu ihm hin weisen, weil der Magier dadurch abgelenkt werden würde.

Durchführung

Aufbauphase

Der Magier führt zuerst individuell ausgewählte Zentrierungen, Meditationen, Gebete, Anrufungen an hilfreiche Wesenheiten usw. aus, um sich für das Ritual vorzubereiten. Worum es sich hierbei konkret handelt, kann dem Gespür des Magiers überlassen oder vom zu rufenden Wesen in Erfahrung gebracht werden. Der Bereich des äußeren Kreises wird dann wie üblich gebannt, beispielsweise mit dem Kleinen Pentagrammritual.

SpiegelDann wird mit der Geste des "Öffnens des Schleiers" (logischerweise direkt vor dem Tor und auf es zu) und einer Aussage wie: "Ich öffne das Tor nach (Sphäre)!" das vorbereitete Tor geöffnet. Passende Visualisierungen (z.B. Energie in Form farbiger Nebel, die daraus zu strömen beginnt) können nach Belieben hinzugefügt werden.

Als nächstes wird der äußere Kreis geweiht. Die Methode ist relativ unwichtig: Anrufungen wären möglich, Energiestauungen in das Kreisareal frei nach Bardon, Trancetanz oder beispielsweise auch das symbolische Verstreuen von passenden Gegenständen. Wichtig ist nur, daß zum einen der Kreis klar abgeschlossen ist, zum anderen der umschlossene Raum mit einer intensiven Atmosphäre derjenigen Energie erfüllt wird, in der das Wesen, daß gerufen werden soll, normalerweise zuhause ist.

Die Intensität dieser Atmosphäre ist entscheidend. Im späteren Verlauf des Rituals muß der Unterschied zwischen Herkunft und Ziel des Wesens überwunden werden, und je kleiner dieser ist, desto wirksamer wird die Evokation sein. Daß bereits ein Zugangspunkt für die Energie - das Tor - vorhanden ist, wird Dir das Aufbauen der Atmosphäre erleichtern und läßt sich im Weiheprozeß praktisch nutzen, z.B. durch Visualisierungen, wie die Energie hereinströmt.

Nun wird das Dreieck mit seiner Bedeutung versehen. Das muß nicht unbedingt eine Weihe oder Ladung sein - es genügt, wenn das Dreieck zu einem Ort wird, an dem sich der Gast manifestieren kann. Das hängt zum einen vom magischen Paradigma ab: finde heraus, was Deiner Meinung nach Geistwesen davon abhält, sich dauernd nach Lust und Laune zu manifestieren, und falls es da ein Gesetz gibt, setze diese Regel für das Dreieck zeitweilig außer Kraft. Zum anderen kann es der Natur des Geistes entsprechen, daß gewisse Regeln beachtet werden müssen, bevor er erscheinen kann. In Hierarchien, wie man sie in westlichen Magiesystemen oft findet, ist es sinnvoll, die nächsthöhere Instanz über dem gewünschten Wesen um eine Erlaubnis zu bitten, daß sich das Wesen manifestieren darf.

Falls Du für diesen Ritualschritt partout keine Idee hast, wie Du das anstellen sollst, kann Dir das Wesen, das Du rufen willst, sicher auf die Sprünge helfen.

Evokation

Wenn das Dreieck vorbereitet ist, wird die Räucherung darin entzündet. Spätestens jetzt nimmt der Magier den Platz im inneren Kreis ein. Da die "Aufbauphase" hiermit beendet ist und die eigentliche Evokation beginnt, ist ein kurzes Zentrierungsritual wie die IAO-Formel sehr empfehlenswert. Daraufhin macht sich der Magier seine Rolle als Rufender bewußt, beispielsweise indem er darüber meditiert oder indem er sich selbst in einem kleinen Ritual mit der Sphäre, der das Wesen entstammt, verbindet. Er wendet sich dem Dreieck zu und schließt die Augen.

Der innere Kreis ist so, wie er hier verwendet wird, kein traditioneller Schutzkreis. Er dient als Konzentrationshilfe für den Evozierenden, durch die er seine eigene Position und Rolle im Ritual leichter bewußt und unterbewußt wahrnehmen kann. Zum Schutz, sofern ein solcher improvisiert werden muß, wird sich hier auf den Dolch bzw. das Schwert verlassen.

Nun spricht der Magier die Evokationsformel. Es handelt sich dabei um eine selbst entworfene Aussage, die den Magier, sein Rufen, das gerufene Wesen und den Ort, an dem es erscheinen soll, beinhaltet und in Sprache, Ton und Wortwahl so exakt wie möglich das Bild ausdrückt, daß der Magier von dem Vorgang hat. Ein Beispiel wäre ein lautes: "Kraft meiner Autorität als Mittler zwischen den Welten und im Namen von (Gottesname) rufe ich Dich, (Name und Titel des Wesens), in diese Welt, in diesen Tempel, in dieses Dreieck, ins Hier und Jetzt. Komm und zeige Dich!" Oder auch ein Flüstern: "Hey (Name des Wesens), hörst Du mich? Das Tor, der Kreis und das Dreieck sind vollständig vorbereitet. Ich erwarte Dich. Komm zu mir!" Es kann sinnvoll sein, die Formel mehrmals zu sprechen: einerseits ist es schwer, eine lange Formel beim ersten Versuch vollkommen konzentriert zu sprechen, andererseits ist die Wiederholung ein traditionelles Element von Evokationen, dessen Wiederverwendung auf eine lange und erfolgreiche Geschichte der westlichen Magie verweist.

Die Augen geschlossen haltend beginnt der Magier eine Trancereise. Je nach Geschmack kann das mit oder ohne Rhythmus, im Stehen oder im Sitzen geschehen, wichtig ist nur, daß der innere Kreis nicht mit dem physischen Körper verlassen wird. Die Reise führt zu dem Wesen, das gerufen wird. Dort angekommen, bittet der Magier es, zu folgen, und kehrt mit ihm durch das Tor in den Tempel zurück. Damit ist der Weg der Kraft (des Geistes) festgelegt und sie beginnt zu fließen.

Die Augen geschlossen haltend, beginnt der Magier, den Namen des Gastes als Mantram zuerst in Gedanken auszusprechen, dann zu flüstern und stetig lauter zu werden. Dabei visualisiert er eventuell das Erscheinen des Wesens. Möglicherweise ist die stärker werdende, aus dem Tor in das Dreieck fließende Energie schon deutlich zu spüren. Das Mantram immer lauter sprechend, öffnet der Magier langsam die Augen.

Skizze einer mit diesem Ritual erreichten Manifestation RaphaelsJe nachdem, wie erfolgreich das Ritual bisher war, ist das gerufene Wesen mehr oder weniger sichtbar. Eine physische Erscheinung ist möglich, allerdings ist es sehr schwer, eine eindeutige, feste Gestalt zu erreichen. Es kann bereits als ordentlicher Erfolg gelten, wenn das evozierte Wesen so sichtbar ist wie ein Regenbogen oder wie dichter Nebel. Wenn das nicht der Fall ist, bleibt das Wesen in ätherischer oder astraler Form und kann nur mit dem zweiten Gesicht gesehen werden, etwa wie ein Naturgeist. Eine Faustregel ist, daß das Wesen um so mehr von seiner Kraft "mitgebracht hat", je sichtbarer es erscheint.

Das Bild zeigt skizzenhaft eine physische Manifestation des Erzengels Raphael, die mit diesem Ritual erreicht wurde.

Jetzt kann der Magier mit dem Gast kommunizieren und mit ihm arbeiten. Was an Gesprächen, Vereinbarungen, Opfern und sonstigen Handlungen zwischen dem Magier und dem Geistwesen abläuft, ist den beiden überlassen. Vielleicht wird dem Geist ein Auftrag gegeben, vielleicht lenkt er seine Energie in einen Talisman, vielleicht überträgt er eine Eigenschaft oder Fähigkeit auf den Magier... die Möglichkeiten sind zahlreich.

Durch die zustande gekommene Energieansammlung in der sichtbaren Welt werden magische physische Veränderungen, die das Wesen bewirken soll, viel einfacher. Es können kraftvollere Zauber gewirkt beziehungsweise drastischere Effekte erreicht werden als mit vielen anderen ritualmagischen Methoden.

Abbauphase

Wenn die Arbeit getan ist, muß das Ritual beendet werden, indem Schritt für Schritt wieder zurückgegangen wird. Dabei ist mindestens ebenso gründlich vorzugehen wie beim Rufen; denn wenn ein Geist nicht kommt, ist es nur schade, aber wenn er nicht wieder geht, könnte es ein ernsthaftes Problem geben... Also wird dem Besucher zuerst gedankt und er freundlich, aber bestimmt, verabschiedet, sogar falls er bereits in Ausführung seiner Pflicht unterwegs oder seine Energie verbraucht ist. Das könnte beispielsweise so formuliert werden: "Ich danke Dir, (Name des Geistes), für Deine Hilfe. Gehe hin in Frieden." Dann dankt der Magier in ähnlicher Weise für die Wirkungen, die dem Dreieck und dem äußeren Kreis zugeschrieben sind, in dieser Reihenfolge, und verabschiedet die gebundenen Energien. Eventuelle symbolische Handlungen wie das Entzünden von Kerzen oder das Verstreuen von Gegenständen werden dabei rückgängig gemacht. Als letztes wird mit der Geste des "Schließens des Schleiers" und einer passenden Aussage das Tor geschlossen. Eine abschließende Zentrierung, nach Belieben verbunden mit Dank an alle beteiligten Energien, ist empfehlenswert.

Aufgrund der Symbollogik ist es wichtig, daß die "Abbauphase" genau analog zur "Aufbauphase", jedoch in umgekehrter Reihenfolge, abläuft.

Jetzt kann aufgeräumt werden. Die Markierungen auf dem Boden werden entfernt, die Räucherung gelöscht oder hinausgebracht sowie das Tor und die Gegenstände im Dreieck weggeräumt. Wenn nichts mehr von den materiellen Komponenten des Rituals übrig ist, wird eine gründliche Bannung durchgeführt. Erst jetzt ist alle magische Arbeit getan.

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