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Ritualmagie
Marian Green

Kamphausen Verlag 1997, ISBN 3-59108-323-2

Ritualmagie Buchcover"Ritualmagie" macht auf den ersten Blick und beim Lesen des Klappentextes den Eindruck, eine gewöhnliche Einführung in die populäreren Spielarten der Magie zu sein, wie sie zu Dutzenden am Markt zu finden sind. Diese (wenig Ehre machende) Einschätzung ist dann auch nicht ganz falsch, wird dem Buch jedoch nicht gerecht, denn in vielerlei Hinsicht ist "Ritualmagie" von der oberflächlichen, pseudomagischen Massenware deutlich verschieden.
Was Marian Green verbreitet, ist keine Spielerei für Zwischendurch, sondern eine Lebenseinstellung. Nein, die Autorin läßt sich sicher keine Leichtfertigkeit im Umgang mit Magie vorwerfen. Sie stellt die Magie als eine Quasireligion dar; magisches Handeln ist bei ihr zum guten Teil Selbstzweck und Bestätigung ihrer persönlichen Spiritualität. Diese Spiritualität stellt sie auf vielen Seiten dar und unterscheidet sie (ebenso wie ihre naiven Ansichten zur Psychologie, Philosophie und Kulturgeschichte) kaum von dem, was sie dem Leser zu vermitteln verspricht: ritueller Magie. Nun, es gibt so viele Auffassungen von Magie, wie es Praktizierende gibt, warum also nicht auch eine solche? An dem Punkt jedoch, wo die Autorin ihre keineswegs allgemeingültige Meinung als Magie schlechthin darstellt, disqualifiziert sie sich. Tatsächlich behauptet Miss Green, es gebe genau zwei magische Traditionen, die westliche Zeremonialmagie und den Hexenkult, zwischen deren Ideologien sich jeder Interessierte entscheiden müßte. Das meint sie ernst.
Wie dem auch sei, was bietet "Ritualmagie" einem Leser, der sich mit dieser Borniertheit von Bardonschem Format abfindet? Nun, da ist durchaus einiges lobenswertes zu finden. Das Bindeglied zwischen konkreten Beschreibungen der Ritualpraxis und der Darstellung der umgebenden Spiritualität ist nämlich eine umfangreiche, nicht präzise aber gute Beschreibung dessen, was Ritualmagie - nicht die eigentlichen Rituale, sondern Ritualmagie an sich - eigentlich ist und wie man sowas überhaupt anstellt. Marian Green spricht offensichtlich aus großer Erfahrung (auch als Lehrerin) heraus. Sie doziert nicht, sondern gibt auf die richtigen Fragen die aus ihrem (wie gesagt beschränkten) Blickwinkel heraus richtigen Antworten. Auch die Motivation der Leser wird nicht vergessen. Daß in der ungeheuren Verkürzung, in der sie Themen wie die Kabbalah behandelt, grobe Schnitzer auftauchen, ist nicht verzeihlich, aber verständlich. In ihrem vertraulich-mystifizierenden Schreibstil orientiert sie sich an prominenten Autoren aus dem Bereich der Wicca und an Butler und seinen Nachfolgern - eine gute Wahl für eine Anfängerlektüre. Die Auswahl an Ritualen, die sie vorstellt, ist nicht nur wenig anspruchsvoll, sondern auch recht schmal, was den Gedanken aufdrängt, bei "Ritualmagie" könnte es sich um eine passende Ergänzung zu den eingangs erwähnten Mainstreambüchlein handeln, die oftmals eine Menge Ritualvorschriften, aber wenig Hilfe zur eigentlichen Praxis enthalten. Insbesondere "Magische Rituale - Ein praktischer Lehrgang" könnte durch "Ritualmagie" zur deutlich wertvolleren Lektüre werden.
Drei SterneSchade, daß dieser Nutzen im durch die Weltanschauung der Autorin gezogenen Rahmen bleibt. Mancher Einsteiger in die Chaos- oder Grimoire-Magie, in östliche Einweihungs- und Magiesysteme, in den Schamanismus und viele andere Systeme wird von diesem Buch enttäuscht werden. Andererseits ist der, wenn auch bedingte, Wert des Buches nicht zu bestreiten. Die drei Sterne sind deshalb eine sehr zielgruppenspezifische Bewertung, die aus der Perspektive anderer Leser niedriger ausfallen müßte, zu der Leser, die "Ritualmagie" mit passender weiterer Literatur kombinieren, jedoch einen vierten Stern addieren können.

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