Die Praxis der magischen Evokation Franz Bardon
Verlag Hermann Bauer 2000, ISBN 3-76260-005-8
Es ist streng genommen unsinnig, dieses Buch einzeln zu betrachten - schließlich bauen Bardons darin dargelegte Theorien und Techniken zur zeremoniellen Evokation direkt auf seiner ersten und wichtigsten Veröffentlichung, dem "Weg zum wahren Adepten" auf. Eine Betrachtung seines gesamten Systems würde hier jedoch zu weit führen. Deshalb sei an dieser Stelle nur gesagt, daß die "Praxis der magischen Evokation" ohne zumindest oberflächliche Kenntnis des "Weges zum wahren Adepten" sehr schwer verständlich sein dürfte.
Das Buch ist ein früher Versuch, das relativ obskure Gebiet der magischen Evokation von der Überfrachtung mittelalterlicher Ritualistik zu befreien und eine einfache, in sich schlüssige Ritualtheorie für sie anzubieten. Bardon hat diese Arbeit keineswegs allein geleistet, aber dennoch ist das von Traditionalismen zum erheblichen Teil befreite Ergebnis bemerkenswert in seiner Klarheit. Nach dieser Lektüre ist es dem Leser nicht nur möglich, funktionierende und angenehm schlichte Evokationsmagie zu betreiben, sondern er wird auch genug Hintergrundwissen vermittelt bekommen haben, um die Ritualanleitung in überzeugender Weise abändern oder vollkommen neue Rituale entwickeln zu können.
Leider ist das auch bitter notwendig. Bardon ist in diesem Buch nur unwesentlich weniger als im "Weg zum wahren Adepten" dogmatisch und starr in einer Weise, die die Anleitung in ihrer buchstäblichen Deutung fast undurchführbar macht. Wer Bardons Ritualmagie praktizieren möchte, hat nur die Wahl, entweder vorher jahrzehntelang Konzentrationsübungen und Meditationen durchzuführen oder die vielen Regeln und Warnungen (vor allem im "Weg") leichten Herzens zu ignorieren. Der, nun ja, effizientere zweite Weg dürfte relativen Neulingen auf dem Gebiet der Magie schwer fallen und ihnen kann das Buch damit nicht empfohlen werden.
Insgesamt dürfte die "Praxis der magischen Evokation" für Fortgeschrittene, die an Evokationsmagie interessiert sind, sehr nützlich sein. In vielerlei Hinsicht ist es sogar das beste Buch überhaupt zu diesem selten ernsthaft behandelten Themengebiet. Die inhaltliche und stilistische Eigentümlichkeit macht das Werk Anfängern jedoch wenig zugänglich, was zwar beabsichtigt sein dürfte, den Wert des Buches aber dennoch schmälert. Im zweiten Teil der "Praxis" katalogisiert der Autor einige hundert Wesen mit Siegel und kurzer Beschreibung. Es ist oft moniert worden, daß Bardon diese mit verschiedenen nicht besonders magischen Methoden praktisch frei erfunden hat. Für die moderne magische Praxis sind solche Überlegungen irrelevant und tatsächlich läßt sich mit Bardons Wesenheiten ebenso wie mit seinen Techniken erfolgreich arbeiten.
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