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Magie - Das Praxisbuch der magischen Rituale
William G. Gray

Goldmann Verlag 1994, ISBN: 3-44212-221-X

Magie - Das Praxisbuch der magischen Rituale BuchcoverDer deutsche Titel dieses Buches ist bemerkenswert schlecht gewählt - das englische "Ritual Magical Methods" beschreibt den Inhalt von Grays Buch wesentlich besser. Es wird darin nämlich keineswegs Magie im Allgemeinen behandelt. Der Autor versucht stattdessen, die rituelle Magie auf ihre methodischen Grundelemente zu reduzieren, diese zu lehren und dem Leser damit zu ermöglichen, seinem individuellen magischen Weltbild entsprechende, zweckdienliche Rituale zu entwerfen und durchzuführen. Gray vergleicht dabei nicht in erster Linie bestehende Ritualtraditionen auf Gemeinsamkeiten hin, sondern versucht die allgemeinen Ritualgesetzmäßigkeiten direkt zu erkennen und zu formulieren.
Dieser Ansatz ist so anspruchsvoll, daß das völlige Scheitern des Autors mit seinem Vorhaben wenig überrascht. Gray scheint zu glauben, die von ihm gesehen Muster und Regeln seien so offensichtlich richtig, daß sie nicht kritisch betrachtet, sondern nur vermittelt zu werden brauchen, um dem Leser einzuleuchten. Damit liegt er leider falsch. Der Leser findet stattdessen Grays Vorstellungen von den rituellen Gesetzmäßigkeiten als bloße Behauptungen formuliert, was in einem Buch über unmittelbare magische Praxis vertretbar sein mag, in diesem doch eher theoretischen Text jedoch als unreflektiertes Predigen erscheint. Hinzu kommt der ohnehin für ein Lehrbuch zu einem komplexen Thema nicht ausreichend treffsichere Schreibstil: William Gray läßt weite Lücken in seinen Argumentationen, vermengt unentwegt Regel und Beispiel und läßt den Leser über grundlegende Elemente seines magischen Modells im Unklaren. Er wirft mit Daseinszuständen, Universen, Ebenen und Dimensionen um sich, ohne diese Begriffe zu definieren oder auch nur klarzumachen, warum er sie ständig erwähnt. Dabei läßt sich Grays Modell der Realität und Magie nach gründlicher Lektüre durchaus wie aus Mosaiksteinen zusammensetzen - sein Buch wäre jedoch wesentlich gewinnbringender, wenn der Autor diese Arbeit selbst geleistet hätte.
Diese schreiberischen Defizite sind besonders bedauerlich, weil der Inhalt des Buches, zu dem sie den Zugang behindern, durchaus beachtliche Qualität hat. Zwar kann Gray sein selbstgestecktes Ziel der allumfassenden Theorie westlicher Ritualmagie nicht erreichen, seine Vermengung von Behauptungen, Ideen und Beispielen ergibt aber zumindest ein (weiteres) magisches Paradigma und mit diesem läßt sich durchaus arbeiten. Das in "Magie" beschriebene magische Weltbild ist zwar auf eine fast ausschließlich rituelle Magie beschränkt, ist dafür aber überschaubar und verknüpft metaphysische Prinzipien besser mit Symbolen und magisch-rituellen Handlungen als die meisten. Im Stil ist es offenbar der Butlerschen Post-Golden-Dawn Richtung entsprungen, versehen mit einer kleinen Prise Thelema. Von beiden Vorgängern hebt es sich durch größere Abstraktion und stärkere Betonung des Metaphysischen ab, sowie durch eine noch weniger orthodoxe Interpretation der Kabbalah. Praktizierende beider Richtungen werden hier interessante Anregungen finden, ihre rituelle Praxis zu überdenken und zu verbessern.
Drei SterneIhnen kann "Magie" schon deshalb empfohlen werden, weil Gray die bewußte Erschaffung und Verwendung von Symbolen, die in beiden Systemen zugunsten der Meditation etwas vernachlässigt wird, für die Ritualistik aber unverzichtbar ist, hervorragend zu beschreiben versteht. Mit anderen magischen Traditionen, insbesondere der hexischen, ist "Magie" wenig kompatibel. Trotzdem bleibt es, mit allen gemachten Einschränkungen, ein Buch mit einem etwas anderen Blickwinkel auf die rituelle Magie, das vor allem Fortgeschrittene sicherlich auf neue Ideen bringen kann.

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