Das Buch der magischen Rituale: Liebe, Freundschaft, Hexenkult Yan d'Albert
Egmont vgs verlagsgesellschaft 2002, ISBN 3-80252-962-6
Schon bevor es auch nur aufgeschlagen wird, macht dieses Büchlein mit violettem Papier und einem Pro Sieben Logo klar, daß es nicht für diejenigen gedacht ist, die sich gern als "ernsthafte Okkultisten" bezeichnen. In Konzeption, Klappentext, Layout und Preis ist es ein unverblümter Versuch, aus dem momentanen Erfolg "mystischer" Fernsehserien möglichst großes Kapital zu schlagen. Nicht umsonst wird es im Buchhandel eher in der Jugend- als der Esoterikabteilung angeboten. Trotzdem hat es einige Seiten Inhalt aufzuweisen und behauptet, magische Rituale zu behandeln. Was es schon einen näheren Blick wert macht. :-)
Yan d'Albert als Autor fällt zuerst durch seinen sehr lockeren, freundlichen Schreibstil auf, in dem er erstens einfache magische Praktiken und zweitens sich selbst präsentiert. Die magischen Praktiken können im Stil kurz beschrieben werden als die gängige (stark vereinfachte und abgeschwächte) Form von Wicca, in diesem Fall versehen mit einer Dosis nahöstlicher Religiösität und fernöstlicher Meditation. Die freundliche und mühelos verständliche Darstellung sowohl der Magie als auch des Autors scheint gut geeignet, bei Anfängern Vertrauen und Neugier zu schaffen, sowie weitere Produkte von "Magic Yan" zu bewerben, womit das Buch seine Ziele erreicht. Daß das auf Kosten der inhaltlichen Korrektheit passiert, kommt nicht überraschend. Viele der "Vereinfachungen" sind allerdings so radikal, daß sie auch als Verfälschungen bezeichnet werden könnten: Behauptungen wie die, die ursprünglichen Magier seien naturreligiös gewesen, gesunde Ernährung sei zur Ausübung von Magie notwendig und die Lehren des Abramelin seien über 500 Jahre alt. Weiß der Autor es nicht besser oder gestattet er sich kleine Lügen zugunsten der Romantik?
Wie dem auch sei, der Titel des Buches ist angemessen: es werden ein gutes Dutzend einfache, unorthodoxe Rituale präsentiert, weitere Rituale kurz skizziert und nicht explizit rituelle Praktiken (etwa eine simple Form des I Ging) in einigen Fällen ritualisiert. Unter den Ritualanweisungen finden sich sich weder überflüssige Lückenfüller noch Wiederholungen. Die Rituale sind in Zielsetzung, Umfang und Symbolik sehr gut auf ihre Zielgruppe zugeschnitten und dürften ihren Zweck erfüllen. Die Vorbereitungsübungen sind wenig effektiv, aber da die Rituale kaum Ansprüche an die Teilnehmer stellen und einfach zu meistern sind, ist das unerheblich. Schwerer wiegt schon, daß in dem Buch der Einstieg in die Magie zwar leicht gemacht wird, aber keine Hinweise auf Möglichkeiten des eingehenderen Studiums der Magie gegeben werden. Abgesehen von einem Hinweis auf seine Homepage - wo, wenig überraschend, teures Ritualzubehör angeboten wird - begnügt sich Yan d'Albert damit, den Eindruck zu vermitteln, Meditation und Liebeszaubereien seien der Weisheit letzter Schluß. Eine solche Auslassung, die die Magie auf eine unterhaltsame Freizeitbeschäftigung reduziert, ist nicht mit der Anfängerorientierung des Werkes zu entschuldigen.
Mit diesen Einschränkungen kann "Das Buch der magischen Rituale" völligen Anfängern, die nur einmal schnuppern wollen und keine Lust auf dicke Bücher haben, durchaus helfen. Viel mehr als die Feststellung, daß Magie weder so kompliziert, noch so gefährlich ist wie Außenstehende gern glauben, ist allerdings nicht von ihm zu erwarten. Fundiertes Grundlagenwissen zur Magie ist eher in den gängigen Einsteigerwerken zu finden als hier - was bleibt, ist eine kleine Sammlung unkomplizierter, anspruchsloser Rituale für zwischendurch. Nicht mehr und nicht weniger.
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